Aus der Fraktion

Auswirkungen der Corona-Krise auf Kinder und Jugendliche

05. Mai 2020

Kinder und Jugendliche sind besonders schutzbedürftige Teile unserer Gemeinschaft. Sie leiden unter den aktuellen Bedingungen still und nachhaltig. Viele werden die Erinnerung an den Lockdown als erste Kindheitserinnerung bis an ihr Lebensende in sich tragen. Sie werden dabei vielleicht die Zeit mit ihren Eltern in guter Erinnerung halten. Vielleicht werden sie aber auch weniger gute Erlebnisse mitnehmen.

Schulkinder werden vielleicht an die Corona-Ferien mit Mama und Papa zurückdenken. Vielleicht verlieren sie aber auch den Anschluss an ihren Klassen- oder Jahrgangsstufenverbund und müssen für den Rest ihrer Schulzeit an der Aufarbeitung arbeiten.

Jugendliche haben vielleicht gerade ihre erste Liebe getroffen und leiden nun unter schlimmen Kummer. Abschlussfeiern müssen unwiederbringlich entfallen. Klausuren unter enormen psychischen Stress geschrieben werden.

Wir möchten diese Kinder und Jugendlichen in den Fokus der kommunalen politischen Debatte rücken, sie verdienen es!

Politische Forderungen:

  1. Das Leben für Kita- und Schulkinder und ihre Eltern muss frühest möglich normalisiert werden.
  2. Die Bildungsteilhabe für alle, insbesondere für die Kinder und Jugendlichen, die von ihren Eltern nicht gefördert werden können, muss sichergestellt werden.
  3. Der lebensnotwendige Kinderschutz muss gewährleistet bleiben.

Beschäftigung ab sofort!

Ab sofort müssen für alle Kinder und Jugendliche an Bildungs- und Teilhabeangebote geschaffen bzw. ausgeweitet werden.

Dies soll in Form der finanziellen und organisatorischen Unterstützung alternativer Konzepte der Ferienbetreuung der OTs und freien Träger geschehen. Darüber hinaus fordern wir den weiteren Ausbau digitaler Angebote von Museen, Theatern und der Musikschule für Kinder und Jugendliche.

Für die Eltern bedarf es einer Positivliste der unter Corona-Bedingungen erlaubten Beschäftigungsmöglichkeiten, insbesondere der kostenfreien Angebote. Denkbar ist ein Ideenportal „Selbstbeschäftigung daheim und im Freien“.

In Kooperation mit dem Freifunk e.V. müssen Funklöcher gestopft werden, um digitales Lernen zu Hause zu ermöglichen. In Härtefällen muss darüber hinaus Leihhardware bereitgestellt werden. Dies könnte man begleiten um eine Art „Hardwaretauschbörse“, die nach dem Prinzip der offenen Bücherregale funktionieren könnte und es ermöglicht, nicht mehr ganz aktuelle Computer oder Laptops den Menschen zur Verfügung zu stellen, die sie heute dringend benötigen.

Bildung ab sofort!

Derzeit ist eine echte virtuelle Teilhabe am Bildungssystem nicht vorgesehen und nicht möglich. Dies muss zumindest auf kommunaler Ebene zeitnah zu gewährleisten.

Dazu ist das Euregionale Medienzentrum zur Lehrer*innenberatung hinzuziehen. Das Angebot muss kurzfristig ausgeweitet werden – zur Not durch externe Beauftragung.

Sowohl der Unterricht als auch in einem ersten Schritt das Angebot von Lehrer*innensprechstunden per Videokonferenz ist zu ermöglichen. Dabei soll die Auswahl auf maximal zwei mögliche Systeme beschränkt werden.

Das Ucloud4school Portal muss schnellstmöglich zu einer vollständigen Lern- und Lehrplattform ausgebaut und in Abstimmung mit der Lehrerschaft um erforderliche Funktionen ergänzt werden. Die Kosten müssen die Kommunen übernehmen.

Wiederöffnung der Kitas und Schulen

Die Vorgaben zur Wiederöffnung von Kitas und Schulen werden von der Landesregierung gegeben. Leider sind diese konfus, handwerklich schlecht und vollkommen weltfremd. Wir können jedoch die kommunale Umsetzung der Vorgaben vorbereiten und versuchen, die schlechte Arbeit der Landesregierung auszugleichen. Deshalb müssen bekannte Eckpunkte schon heute vorbereitet werden.

So muss unbedingt die Hygiene sichergestellt werden. Dazu bedarf es einer mehrfachen täglichen Reinigung und der Stärkung der Unterstützungskräfte, insbesondere der Hauswirtschaftskräfte. Dies kann kurzfristig über Stundenaufstockungen erfolgen, langfristig müssen zusätzliche, kommunale Arbeitsplätze entstehen. Dies muss analog für die freien Träger finanziert werden.

Für selbstverständlich erachten wir die Bereitstellung von Hygienematerialine, wie Desinfektionsmitteln, Mundschutzen, ggf. Gesichtsschutz aus Folie. Ebenso der Einrichtung von Einzelarbeitsplätzen mit Spuckschutz, damit eine 1:1-Interaktion mit den Kindern ermöglicht wird.

Schulen und Kitas sollen darüber hinaus mit Infrarot-Thermometern ausgestattet werden, die eine schnelle Vorab-Diagnose eventuell erkrankter Personen ermöglichen.

Die Verwaltung wird aufgefordert, die mögliche Anzahl der Plätze pro Kita festzulegen, wobei sowohl der Platzbedarf, als auch der Personalschlüssel zu beachten sind. Gleichzeitig sind die Betreuungszeiten so zu reduzieren, dass eine maximale Anzahl an Kindern aufgenommen werden kann. Da dennoch erheblich weniger Plätze zur Verfügung stehen werden, bedarf es einheitlicher Vergabekriterien für die wenigen Plätze.

Wir fordern die Prüfung neuer Lehr- und Betreuungsräume. Nach den kritischen Betrachtungen in Hessen, die entsprechende Nutzungen von Flächen außerhalb der Kitas und Schulen ablehnen, muss hier besondere Sorgfalt geboten sein – dennoch halten wir außerschulisches Lernen für eher vorteilhaft.

Uns ist es wichtig, dass die Interessen der Arbeitnehmer*innen berücksichtigt werden. Dies gilt für selbstverständliche Aspekte des Gesundheitsschutzes und der Wertschätzung ebenso wie für die Kommunikation. Es bedarf sowohl klarer Vorgaben für die Leitungen der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen als auch einer klaren und möglichst frühzeitigen Informationen für Eltern über ein zentrales Portal.

Für diejenigen, die keinen Platz in einer Kita oder OGS erhalten können, muss kurzfristig und vorübergehend auch ein alternatives Betreuungsangebot gefördert werden.

Kindeswohl sicherstellen!

Vielen Kindern und Jugendlichen geht es im Moment sehr schlecht. Sie verlieren ihre wenigen Fluchtmöglichkeiten aus konfliktbehafteten Beziehungen. Wir fordern deshalb die Absicherung der Hilfen zur Erziehung sowie den temporären Ausbau der aufsuchenden Sozialarbeit. Für die Sozialarbeiter*innen ist diese Aufgabe in der aktuellen Situation mit besonderen Herausforderungen verbunden. Dennoch ist sie derzeit vielleicht bedeutsamer denn je.

Gleichzeitig müssen Präventionsangebote und Selbsthilfe verstärkt werden. Denkbar ist es z.B. Kinder proaktiv durch die Kita oder die Schule anzurufen und die Situation zu erfragen.

Aber auch ganz praktisch muss geholfen werden. Kinder in Hunger können z.B. durch Schulmensen und Kitas in öffentlicher Ausgabe/Abholung und unter Verzicht auf das Essensgeld weiter versorgt werden.

Es ist schmerzlich festzustellen, aber auch bei uns in Aachen leben Kinder und Jugendliche, die abseits der öffentlichen Einrichtungen nicht so gut versorgt werden, wie wir es uns alle wünschen.

Ihr Wohlbefinden stellen wir in den Mittelpunkt unserer politischen Arbeit!

Inhalte: JugendKinder und Familien