Stellungnahme der AG 60plus zu Corona

01. Mai 2020

Für uns als AG NRWSPD 60 plus gilt: älteren Menschen geht es wie allen Menschen. Sie haben Sorgen und leiden z.Zt. sehr unter den coronabedingten Beeinträchtigungen und Entbehrungen. Wir wissen selbstverständlich, dass es Hauptrisikogruppen gibt. Hochbetagte Menschen können dazugerechnet werden, verallgemeinernd über ältere Menschen zu sprechen ist jedoch nicht angebracht. Unsere Forderung an Politik, Wissenschaft, Medizin und Forschung und an die gesamte Gesellschaft lautet aber: „Heftet uns nicht eine Opferrolle an“! Pauschalaussagen über die ältere Generation führen zuletzt immer auch zu einer Zunahme von Altersdiskriminierung. Differenziert in Euren Handlungen und setzt dort an, wo der Schutzbedarf höchste Priorität haben muss. Dazu bedarf es konkreter Ansätze in Senioreneinrichtungen bzgl. des Personals. Deren Sicherheit schützt alle: die Alten und die Pfleger*innen und ihre jeweiligen Angehörigen. Die erbrachten Leistungen müssen durch eine gerechte Bezahlung entsprechend honoriert werden. Besuchsregelungen, die unter Berücksichtigung von Schutzmaßnahmen möglich werden können. Hier gibt es bereits Ideen und konkrete Bemühungen aller Beteiligten. Was in diesem Zusammenhang für Senioreneinrichtungen gilt, muss auch für KrankenhausmitarbeiterInnen gewährleistet werden.

Unerträglich sind Äußerungen wie die des Tübinger OBs Boris Palmer, die medizinische Hilfe ausschließlich am Alter einer Person zu orientieren. Alte Menschen sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Sie haben diesen Staat in schwieriger Zeit mit aufgebaut und gestalten ihn auch heute noch mit. Wenn Entscheidungen über Leben und Tod an die Knappheit von Ressourcen geknüpft und mit dem Lebensalter von Patienten verbunden werden, verstößt dies nicht nur gegen ethische Prinzipien, sondern fördert auch Altersdiskriminierung. Palmers Aussage sprengt unsere Gesellschaft.

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