Kulturforum

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Partei der Arbeit

„Für die sozialdemokratische Kulturpolitik sind Kunst und Kultur vor allem ein Wert an sich“, hat Wolfgang Thierse, der ehemalige Vorsitzende des SPD-Kulturforums, noch Ende 2014 in einem Strategiepapier angemahnt. Dabei gelte es „die künstlerische Freiheit und den kulturellen Eigenwert zu bewahren.“ Dies von Wolfgang Thierse ausgesprochen, weit bevor wir in diesen Strudel sogenannter rechter ‚Leitkultur’ von einer Gefährdung der Kunst- und Kulturfreiheit geraten sind. Und in seinen Worten finde ich auch mein eigenes kulturpolitisches Credo wieder: „Die Sozialdemokratie als Partei der Arbeit vertritt die Interessen der zumeist sozial schlechter gestellten, Thierse benutzt das Wort „armen“, Künstlerinnen und Künstler“, – Stichwort „Künstlersozialversicherung“; Stichwort „Mindesthonorare für Autoren“ usw. Und ich selber habe auch das Goldene Jahrzehnt der Sozialdemokratischen Kulturpolitik in der Ära Brandt/Schmidt in den 70er Jahren und noch weit in die 80er Jahre hinein miterleben und mitteilhaben dürfen.

Aktuelle Leitbilder

Aber ich möchte nicht zu weit ausschweifen und zum Kern der Frage heute kommen: Warum ein regionales Kulturforum initiieren? In meinem Anschreiben habe ich es schon ein wenig präzisiert, wo es heißt: „Andere regionale Kulturforen haben die ‚Förderung der regionalen Kultur’ als primär apostrophiert. Da wir eine sehr rege Kulturszene in Aachen und Umgebung haben und ebenso in den Fraktionen einiges an kulturellen Ideen eingebracht werden, wären in meinen Augen die ‚sozialdemokratischen Vorstellungen einer toleranten, freien und innovativen Kunst- und Kultur sowie die Wechselwirkungen zwischen kulturellen respektive
interkulturellen Fragen die vordringlichste Aufgabe eines regionalen SPD-Kulturforums’.“ Das wäre die Fixierung von aktuellen Leitbildern für eine regionale Sozialdemokratische Kulturpolitik. „Wobei der interkulturelle Dialog auf der Basis humanistischer Grundwerte die Voraussetzung für das Gelingen kultureller Integration darstellt.“, um noch einmal Wolfgang Thierse zu zitieren. Ein gutes Beispiel für einen solchen interkulturellen Dialog im effektivem Alltagsgeschäft in der Aachener Kulturpolitik ist der Erhalt und der personelle Ausbau der Barockfabrik als interkulturelle Familien-Begegnungsstätte, deren vorbildliche Arbeit ich vor Ort erleben durfte.

Mehr an Kultur

Was bedeutet nun die Freiheit der Kunst speziell in einer Region wie Aachen und seinem Umfeld? „Die Sinnlichkeit zu einem gemeinschaftsstiftendem Element ausbauen“, präzisiert es Oliver Scheytt, ein Vorstandsmitglied des Bundeskulturforums. Das bedeutet in meinen Augen den Kulturzugang schon in frühester Kindheit möglich zu machen. Und an dieser Stelle möchte ich den „Paukenschlag-Leitartikel“ im VORWÄRTS zitieren, mit dem Thorsten Schäfer-Gümbel seinen Antritt als Vorsitzender des Bundeskulturforums bekannt gemacht hat: „Wir brauchen Kultur mehr denn je!“ Wir brauchen dieses Mehr an Kultur nämlich dort, wo diese sozio-kulturelle und interkulturelle Aufgaben zu erfüllen hat. Denn: diese Kinder, gefördert durch ein qualitativ hochwertiges Programm, wie es der „Rat für Kulturelle Bildung“ jüngst publiziert und gefordert hat, sind die Rezipienten von morgen! Das heißt, Konzert und Theater, die Domäne der sogenannten Hochkultur, als ein integratives Moment begreifen und in dem Sinne in machbaren Grenzen bezahlbar sprich zugänglich machen, auch für die wirtschaftlich schlechter gestellten, ist mein zweites Anliegen. Wenn ich alle diese begeisterten Kinder und Jugendlichen von sogenannten Migranten sehe, die ich beispielsweise im Aachener Musik-Festival „spegtra“ oder in der Barockfabrik ausmachen konnte, dann können diese nicht immer teilhaben an dieser Domäne der Hochkultur, weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht immer finanziell dazu in der Lage sind. Und hier muss die oben genannte – regionale – Sozialdemokratische Kulturpolitik ins Spiel kommen! Wolfgang Thierse nennt es die „kulturelle Spaltung“, wenn es trotz aller Anstrengungen 50 Prozent (Viel)-Nutzer und 50 Prozent Nicht-Nutzer öffentlicher Kulturangebote gibt.

Kulturpolitik gleich Gesellschaftspolitik

Wenn ich also in diesem Zusammenhang zu der Frage zurückkomme, Warum ein regionales Kulturforum initiieren?, dann möchte dieses Kulturforum mithelfen, die Kompetenz des Einzelnen in Fragen der Kunst und der Kultur zu stärken: „Eigensinn und Gemeinsinn – auch in Fragen der Inklusion (ein weiteres Stichwort!) und Integration, als Aufgabe kultureller Bildung – sollen entwickelt werden sowie der Wert von Sinn und Sinnlichkeit selber gilt es zu vermitteln. Und genau darin liegt die gesellschaftliche Relevanz, Kulturpolitik gleichzusetzen mit Gesellschaftspolitik“, um noch einmal Oliver Scheytt zu zitieren. Was ist dementsprechend gerade dann die Aufgabe eines – regionalen – Kulturforums? Die Antwort muss lauten: Vor Ort den kulturellen Sachverstand der Sozialdemokratie erweitern helfen und sich als respektabler Ansprechpartner anbieten.

Der Stadtkulturraum

Für mich war es immer wichtig, meinen täglichen Umgang mit Kunst und Kultur – der Maler Win Braun hat es einmal: „Ich mache 24 Stunden Kunst am Tag“ genannt – als einen Gradmesser für die Verfasstheit von Freiheitsrechten sowohl für mich selber als auch für mich als gesellschaftlich relevantes Wesen zu begreifen. Täglich galt es dabei, die Grenzen neu auszutarieren. Das definierte anfänglich meinen ‚Stadtkulturraum’ in den besagten Goldenen 80er Jahren als künstlerische Laborsituation, der sich dann der Kommunikation willen, schließlich immer mehr ausdehnte in den Globalen Kulturraum und seinen heutigen Möglichkeiten der Vernetzung. Das bedeutet auf die Aufgaben eines regionales Kulturforums der Sozialdemokratie bezogen, diese erlernte Vertrautheit im Umgang mit der Musik, wie in meinem Falle; diese Vertrautheit mit der Kunst, mit der Literatur oder der Theaterinszenierung den anderen, also den Rezipienten, an die Hand zu geben, um mitzuhelfen, „durch Kunst den Staub des Alltags von der Seele“ zu waschen, wie es Carmen Emigholz, ein weiteres Vorstandsmitglied des Forums, so schön in einer Schriftenreihe formuliert hat. Im Umkehrschluss bedeutet es dann als ein Resultat aus der vorgetragenen Argumentation, das regionale Kulturforum der Sozialdemokratie ins Leben zu rufen, um vor allem immer wachsam zu sein und einzuschreiten, sozusagen ‚hineinzugrätschen’ und sich zu öffentlich zu positionieren, wenn an den Grundfesten dieser toleranten, freien und innovativen Kultur und Kunst gerüttelt wird.

 

Von links: SPD-Ratsfrau Sevgi Sakar, Günther Sonnen, MdL Karl Schultheis, MdB Ulla Schmidt, Bürgermeister Norbert Plum, Norbert Walter Peters, Marie-José Dassen, MdL Daniela Jansen, Mathias Dopatka, SPD-Fraktion Städteregion Janine Köster.

Von links: SPD-Ratsfrau Sevgi Sakar, Günther Sonnen, MdL Karl Schultheis, MdB Ulla Schmidt, Bürgermeister Norbert Plum, Norbert Walter Peters, Marie-José Dassen, MdL Daniela Jansen, Mathias Dopatka, SPD-Fraktion Städteregion Janine Köster.

 

 

Aktuelles aus dem Kulturforum

Bericht vom Jahrestreffen der regionalen SPD-Kulturforen in Kassel am 30.06.17

Kulturforum: TSG in Aachen (31.10.16)

Bericht vom Jahrestreffen und Austausch der Regionalen SPD-Kulturforen in Berlin 2016 (29.08.16)

Berlin und die Welt – Kulturempfang der Sozialdemokratie (23.08.16)